Die Totenstadt "La Salata"
Ein Projekt des W.W.F Italia, Sektion Vieste Sgn. F.Ruggieri und der Fa. UNI. OP. TUR Vieste.
Die
Totenstädte Vieste sind Friedhofsanlagen in unterirdischen Grotten,
weit ab von den Wohngebieten gelegen. Sie sind auf das III. und IV.
Jahrhundert der frühchristlichen Zeit datierbar. Die in den Fels
getriebenen Grabnischen haben keine festgesetzte Ordnung. Sie sind
sowohl auf dem Fußboden (Erdgräber) als auch in den Wänden (Wandgräber)
verstreut, oder in sogenannten "arcolsoli" (ein in die Wand
eingelassener Grabraum welcher von einer Nische überragt wird)
angeordnet, welche eine oder mehrere Grabnischen überragen.

Von den
unterirdischen Räumen befanden sich enge Zugänge, die sogenannten
"dromos" (Eingangskorridor in unterirdische Gräber), welche nicht immer
in den Fels gegraben waren, sondern oft aus in sich verschlungenen
Pfählen und Zweigen hergestellt wurden und wohl den Zweck hatten,
Neugierigen den Blick zu verwehren oder unversehenes Eindringen zu
verhindern. Es ist wahrscheinlich, dass dieselben unterirdischen Räume
von Menschen der Prähistorie als Aufenthaltsort (Wohnstätte) oder
Unterkunft für deren Tiere benutzt wurden. Die Totenstädte der Salata
und der Salatella (Eigenname, bedeutet die kleine Salzige, eine
Örtlichkeit), sind beide auf dem Grat in der Nähe der Touristikanlage
Gabbiano Beach in einem ca. 6000 qm großen Gelände gelegen. Auf dem
hohen Teil befinden sich die der Salata, welche 2 miteinander
verbundene Räume umfassen. Links der Erste ( A ), in zwei Räume
unterteilt und der Rechte ( B ) , gekennzeichnet durch ein
Baldachingrabmal. In nächster Nähe und fast auf gleicher Höhe, befindet
sich ein weiterer Raum, sehr viel kleiner und mit nur wenigen
Grabnischen (C). Entlang des Pfades, welcher ans Meer führt, trifft man
auf eine kleine Grotte, in der man nur einen arcosolio (Ein in die Wand
eingelassener Grabraum, welcher von einer Nische überragt wird) (D)
undeutlich erkennen kann. Ca. 10 m weiter trifft man auf eine größere
Anlage, gebildet aus zwei miteinander verbundenen Räumen, welche man
durch einen Zugang an der gegenüberliegenden Seite erreicht. Der Erste
ist teilweise eingestürzt (E) und der Andere sehr viel tiefer gelegene,
weist einen Pfeiler in der Mitte mit zahlreichen Gräbern auf (F). Die
größte und großartigste Friedhofsanlage, ist die der Salata, an der
Meeresfrontseite gelegen und abgetrennt durch einen Bach, welcher einer
natürlichen Grotte entspringt, in deren Wände einige Gräber gehauen
sind. Dieser Friedhofskomplex wandelt sich zu einer großen Grotte mit
einer 30 m hohen Felswand. In der Mittleren (H) sind die Grabnischen
mit verschiedenen Ausmaßen überall verteilt, auch in den verborgensten
Einschnitten und bemerkenswertesten Höhen. Die Kleineren waren für das
Aufbewahren der Asche der eingeäscherten Verstorbenen vorgesehen. An
der linken Wand (I) bemerkt man einige arcosoli von schön angeordneten
Gräbern umgeben. Während sich auf der rechten Seite (L-M) zwei
übereinanderliegende Anlagen befinden. In jeder von Ihnen kann man
wohlgeordnete arcosoli bemerken, Erd- und Wandgräber. Die Höhere
erreicht man durch eine enge, in den Fels geschlagene Treppe.

Die
christlichen Bestattungen, im Gegensatz zu den daunischen, mit reichen
Beigaben und Beigesetzten in der Fötusposition, stellen sich arm da (
nur mit Gedächtnislampe und christlichen Symbolen) und mit Bestatteten
in liegender Position. Die Gräber, alle während der vergangenen
archäologischen Arbeiten erforscht, waren mit Tontafeln wie die
römischen Katakomben, versiegelt. Die Archäologen haben diese
Totenstadt als die majestätischste und eindrucksvollste ihrer Art des
gesamten, meridionalen Beckens bezeichnet. Sie ist das älteste Zeugnis
der Ankunft des Christentums im Gargano. Es gibt keine Hinweise auf
Verfolgung, weder in Vieste noch im ganzen Gargano. Man vermutet, dass
die neue Religion von den Anhängern des Heidentums geduldet wurde. Die
neue Religion dringt in der Tat, wenn auch nicht schnell, in alle
Städte des Küstenstreifens und in die größten Handelszentren ein,
welche verstreut an den meisten Verbindungsstraßen die nach Rom fuhren
lagen. Das Heidentum blühte bis zum Ende des V. Jahrhunderts.